Geschichte von Jerez

Während es in der Region um Jerez herum Nachweise für menschliche Präsenz seit der Altsteinzeit gibt, ist die Stadt selber vergleichsweise jung. Denn „aktenkundig“ ist Jerez als Siedlung erst seit dem 9. Jahrhundert, also seit dem Mittelalter. Wir geben Ihnen einen historischen Überblick.

Wenn also in dieser Gegend viele große Kulturen bereits seit der Antike ihre Spuren hinterlassen haben, so beginnen wir die Geschichtsschreibung für die Stadt selber erst unter islamischer Herrschaft (zumindest bis eventuell weitere archäologische Arbeiten neue Erkenntnisse bringen). Diese Zeit von Al-Andalus ist gleichzeitig eine der prägendsten Epochen, mit großen Fortschritten in allen gesellschaftlichen Bereichen, und von jetzt an wird Jerez (Sherish) immer ein wichtiger Ort in der Region sein.

Die Eroberung der Stadt durch die kastilischen Könige während der sogenannten Reconquista bringt Jerez 1264 die Integration in das christliche Spanien. Allerdings ist die Gegend anschließend noch für über 200 Jahre Grenzgebiet zum muslimischen Emirat Granada und entsprechend umkämpft; keine einfachen Zeiten.

Je mehr sich nach und nach die politische und militärische Lage beruhigt, bis hin zum definitiven Ende der Reconquista im Jahr 1492, desto mehr wachsen die Stadt und ihre Wirtschaft. Die Gesellschaft des ausgehenden Mittelalters besteht vor allem aus Kriegsadel, Bauern, Handwerkern und Geistlichen (Kirchen und Klöster). Auch die Mönche des Kartäuser-Ordens kommen um diese Zeit nach Jerez und gründen ihr Kloster (La Cartuja). Die Umgebung ist fruchtbares Land für Landwirtschaft und Viehzucht und die Nähe zum Meer bietet gute Handelswege auch ins Ausland. Alles in allem gute Voraussetzungen für eine positive Entwicklung in allen Belangen.

Die Geschichte von Jerez und der Region ist immer auch die Geschichte der Weinkultur – und umgekehrt. Aber insbesondere ab dem 16. Jahrhundert erfährt dieser Wirtschaftszweig einen Boom, ausgelöst vor allem durch die „Entdeckung“, Eroberung und Kolonisation Amerikas und den Aufstieg Spaniens zur Weltmacht. Jerez behält seine strategische und militärisch bedeutende Position, auch im Kampf gegen Piraten. Der Wein aus Jerez verbreitet sich in aller Welt, was zumindest einem Teil der Bürger großen Reichtum bringt, dessen Spuren man auch heute noch in der Stadt wahrnehmen kann. Gleichzeitig lebt der Großteil der Bevölkerung in Armut und die drängenden sozialen und Infrastrukturprobleme werden nicht gelöst. In diesem Kontext entstehen die ersten Tabancos, eine Mischung aus Laden, Schänke und Musiklokal, wo auch Flamenco gesungen wird – Freunden und Leiden.

Fortschritte bringt hier erst das 19. Jahrhundert, das große Jahrhundert von Jerez. Trotz diverser widriger Umstände wie der napoleonischen Invasion, der Unabhängigkeitskriege, Epidemien oder der politischen Instabilität, ist das Wirtschaftswachstum in diesem Zeitraum spektakulär. Motor der Entwicklung sind Weinproduktion und -handel und jetzt enstehen viele der großen Bodegas. Wiederum ist allerdings der Reichtum sehr ungleich verteilt. Insgesamt der große Verlierer dieser Epoche ist die Kirche.

So, ich denke, das war der Teil, der uns am meisten interessiert. Die neuere Geschichte von Jerez ist im Prinzip die des Landes: Wirtschaftskrise, Bürgerkrieg, Franco-Diktatur, Autarkie, demokratisches System, Europa… Heute ist Jerez eine moderne Stadt, deren kulturelle Identität und Persönlichkeit aber ganz eindeutig durch die bewegte Geschichte geprägt sind – und das macht ihr Erleben und Entdecken so spannend.

Bildnachweis: De McLeod – Archiv „Deutschland und die Welt“, Dominio público

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